Dunklen Modus aktivierenHellen Modus aktivieren

Zuletzt aktualisiert am Open Source · Open Weight · Compliance · KI-Modelle 6 Minuten Lesezeit Veröffentlicht am

Open Source vs. Open Weight: Der Unterschied bei KI-Modellen

Warum der Unterschied für Lizenz, Compliance und Modellwahl zählt

Kurz erklärt: Bei einem Open-Weight-Modell sind nur die trainierten Gewichte frei verfügbar. Ein echtes Open-Source-Modell legt zusätzlich den Trainingscode und die Trainingsdaten offen, sodass es sich nachvollziehen und nachbauen lässt. Die meisten KI-Modelle, die heute als „Open Source“ bezeichnet werden, sind genau genommen Open-Weight-Modelle.

In der klassischen Software ist Open Source eindeutig: Der Quellcode ist frei, die Lizenz ist klar, jeder kann das Programm nachvollziehen. Bei KI-Modellen ist der Begriff schwammig geworden. Wer Anbieter vergleicht, Compliance bewertet oder eine Modellstrategie aufsetzt, sollte den Unterschied zwischen Open Source und Open Weight kennen.

Was bedeutet Open Source bei KI-Modellen?

Ein KI-Modell besteht nicht nur aus Code. Es hat drei Bestandteile:

  • Gewichte: die Milliarden Parameter, die das Modell im Training gelernt hat
  • Code: für Training und Ausführung (Inferenz)
  • Trainingsdaten: die Texte, Bilder oder Code, aus denen das Modell gelernt hat

Die Open Source Initiative (OSI), die auch die bekannten Open-Source-Lizenzen prüft, hat im Oktober 2024 die Open Source AI Definition (OSAID) 1.0 veröffentlicht. Sie ist heute der maßgebliche Maßstab. Ein KI-Modell gilt danach als Open Source, wenn jeder es frei nutzen, untersuchen, verändern und weitergeben darf. Dafür müssen offenliegen:

  • die Gewichte
  • der vollständige Code für Training und Datenaufbereitung
  • so detaillierte Informationen zu den Trainingsdaten, dass Fachleute ein im Wesentlichen gleichwertiges Modell nachbauen können

In der Praxis erfüllen das nur wenige Modelle. Bekannte Beispiele sind OLMo vom Allen Institute for AI und Apertus, das Schweizer Sprachmodell von ETH Zürich, EPFL und dem Supercomputing-Zentrum CSCS.

Was ist ein Open-Weight-Modell?

Bei einem Open-Weight-Modell (oft auch „Open Weights“ genannt) veröffentlicht der Anbieter nur die trainierten Gewichte. Trainingscode und Trainingsdaten bleiben unter Verschluss.

Das heißt konkret:

  • Sie können das Modell herunterladen, lokal betreiben und feinjustieren (Fine-Tuning).
  • Sie können es nicht nachbauen, weil Daten und Trainingsverfahren fehlen.
  • Sie können nicht vollständig prüfen, womit es trainiert wurde, etwa mit Blick auf Verzerrungen oder urheberrechtlich geschütztes Material.

Wenn Anbieter heute von Open-Source-Modellen sprechen, meinen sie in der Regel Open-Weight-Modelle. Llama, Qwen, Gemma, DeepSeek, Phi und die meisten Mistral-Modelle gehören in diese Kategorie.

Open Source und Open Weight im Vergleich

Open Source (nach OSAID) Open Weight Proprietär (z. B. GPT, Gemini)
Gewichte verfügbarjajanein
Trainingscode offenjaneinnein
Trainingsdaten offen oder detailliert dokumentiertjaneinnein
Modell nachbaubarjaneinnein
Lokal betreibbarjajanein
Fine-Tuning möglichjajaeingeschränkt, nur über den Anbieter
Prüfbarkeit der Trainingsdatenhochgeringgering
LizenzOSI-konform, freifrei bis stark eingeschränktNutzungsbedingungen des Anbieters
BeispieleOLMo, ApertusLlama, Qwen, Gemma, DeepSeekGPT, Gemini

Lizenz ist nicht gleich Offenheit

Hier entsteht die meiste Verwirrung. Zwei Fragen werden oft vermischt:

  1. Was darf ich mit dem Modell machen? Das regelt die Lizenz.
  2. Was kann ich über das Modell nachvollziehen? Das hängt davon ab, was veröffentlicht wurde.

Ein Modell kann eine sehr freie Lizenz haben und trotzdem „nur“ Open Weight sein. Ein gutes Beispiel ist Gemma 4 von Google: Seit Version 4 stehen die Gewichte unter der Apache-2.0-Lizenz und dürfen frei kommerziell genutzt werden. Die Trainingsdaten sind aber nicht offen. Gemma 4 ist damit ein Open-Weight-Modell mit sehr freier Lizenz, kein Open-Source-Modell im Sinne der OSI.

Umgekehrt gibt es Open-Weight-Modelle mit eingeschränkter Lizenz. Llama von Meta steht unter einer eigenen Community-Lizenz mit Auflagen, unter anderem einer Sonderregel für sehr große Anbieter mit mehr als 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern. Für die meisten Unternehmen ist das unkritisch, lesen sollten Sie die Lizenz trotzdem.

Auch innerhalb einer Modellfamilie kann die Lizenz variieren, etwa bei Qwen oder Mistral. Prüfen Sie deshalb immer die Lizenz des konkreten Modells, nicht die der Familie.

Was der Unterschied für Unternehmen bedeutet

Open Weight reicht für die meisten Anwendungsfälle. Sie können das Modell auf eigener Hardware betreiben, mit Ihren Daten arbeiten lassen und Tool-Use konfigurieren, ohne dass Daten Ihr Haus verlassen. Wie das im Mittelstand konkret aussieht, beschreiben wir in Lokale KI ist 2026 produktionsreif.

Open Source im strengen Sinne wird wichtig, wenn Sie nachweisen müssen, womit ein Modell trainiert wurde. Das betrifft vor allem:

  • Audits und regulierte Branchen
  • Fragen zum Urheberrecht an Trainingsdaten
  • Dokumentationspflichten, etwa im Rahmen des EU AI Act
  • Forschung und Projekte, bei denen ein Modell vollständig reproduzierbar sein muss

Transparenz gibt es auch zwischen den Kategorien. IBM Granite ist formal ein Open-Weight-Modell, weil die Trainingsdaten nicht vollständig veröffentlicht sind. IBM dokumentiert die Datenquellen aber sehr ausführlich, und Granite ist nach ISO/IEC 42001 zertifiziert. Für Compliance-Anforderungen ist das oft ein guter Mittelweg.

Modellfamilien im Überblick

Eine ehrliche Einordnung der wichtigsten Familien (Stand: September 2026):

Modell Anbieter Kategorie Lizenz Stärke
OLMoAllen Institute for AIOpen SourceApache 2.0vollständig offen, inklusive Trainingsdaten
ApertusETH Zürich, EPFL, CSCSOpen SourceApache 2.0europäisch, stark mehrsprachig, Daten offen
Granite 4.1IBMOpen Weight, sehr transparentApache 2.0ISO 42001, Compliance
QwenAlibabaOpen Weightje nach Modell, meist Apache 2.0stärkste Open-Weight-Familie für Coding
Gemma 4GoogleOpen WeightApache 2.0multimodal, viele Größen
Llama 4MetaOpen Weighteigene Lizenz mit AuflagenMixture-of-Experts, großes Kontextfenster, braucht Server-Hardware
DeepSeek R1DeepSeekOpen WeightMITReasoning
Phi-4MicrosoftOpen WeightMITklein und effizient
MistralMistral AIOpen Weightje nach Modelleuropäischer Anbieter

Unser Ansatz

In unseren Kundenprojekten wählen wir die Modellfamilie nach Anwendungsfall:

  • Compliance-relevant Granite
  • Coding Qwen
  • Reasoning DeepSeek
  • Schnell und schlank Phi
  • Multimodal Gemma

Das Multi-Provider-Muster macht den Wechsel zwischen Modellen zum Einzeiler. Wir empfehlen, nicht auf eine einzige Familie zu setzen, denn die Landschaft bewegt sich quartalsweise.

Häufige Fragen

Ist Llama Open Source?

Nein. Llama ist ein Open-Weight-Modell: Die Gewichte sind verfügbar, Trainingsdaten und Trainingscode nicht. Zudem steht Llama unter einer eigenen Lizenz mit Auflagen, die keine OSI-konforme Open-Source-Lizenz ist.

Ist ein KI-Modell mit Apache-2.0-Lizenz automatisch Open Source?

Nein. Die Apache-2.0-Lizenz regelt nur, was Sie mit den veröffentlichten Gewichten tun dürfen. Ob ein Modell Open Source ist, hängt zusätzlich davon ab, ob Trainingscode und Trainingsdaten offenliegen.

Darf ich Open-Weight-Modelle kommerziell nutzen?

Das hängt von der Lizenz ab. Modelle unter Apache 2.0 oder MIT dürfen Sie in der Regel frei kommerziell einsetzen. Bei eigenen Lizenzen wie der von Llama gelten zusätzliche Bedingungen.

Welche KI-Modelle sind wirklich Open Source?

Nur wenige. Zu den bekanntesten gehören OLMo vom Allen Institute for AI, Apertus aus der Schweiz und Pythia von EleutherAI. Sie veröffentlichen neben den Gewichten auch Trainingscode und Trainingsdaten.

Heißt es Open Weight oder Open Weights?

Beide Schreibweisen sind gebräuchlich und meinen dasselbe. Im Deutschen findet man auch „Open-Weight-Modell“ oder „Modell mit offenen Gewichten“.

Kann ich Open-Weight-Modelle lokal betreiben?

Ja. Genau das ist einer der größten Vorteile. Sie laden die Gewichte herunter und betreiben das Modell auf eigener Hardware, ohne dass Daten an einen Cloud-Anbieter gehen.

Thomas Leiber, Technische Leitung der K&K Software AG

Über den Autor

Thomas LeiberTechnische Leitung (CTO)

Verantwortet die Technik der K&K Software AG und betreibt die lokale KI-Installation, mit der das Team täglich arbeitet.

Sie haben eine konkrete Frage?

Wir ordnen mit Ihnen ein, was in Ihrem Fall realistisch und wirtschaftlich ist. Im Erstgespräch, unverbindlich.